Rennabsagen und Virtual Racing

10. April 2020

Die Sportwelt (und natürlich nicht nur die) steht momentan gerade ordentlich Kopf. Aufgrund des Coronavirus sind alle Wettkämpfe mit einem Renntermin zumindest bis Ende Juni entweder abgesagt oder auf Herbst verschoben worden, und sogar die Olympischen Spiele finden erst 2021 anstatt heuer im Sommer statt.

Ich weiß, es gibt momentan Wichtigeres, als über nicht stattfindende Wettkämpfe nach zu sinnieren, allerdings gehört Sport mittlerweile zu einem maßgeblichen Bereich zu meinem Leben dazu, und ich möchte euch daher an meinem Umgang damit in Zeiten der Krise teilhaben lassen.

Meine ganze Planung war heuer auf die Ironman 70.3 Weltmeisterschaft in Taupo, Neuseeland, ausgerichtet, für welche ich mich gerne im Mai in Aix-en-Provence qualifiziert hätte. Ich fühlte mich top, war verletztungfrei durch den Winter gekommen und hatte eine Bomben-Form. Gefühlt schien mich heuer nichts davon abhalten zu können, mir den Slot zu holen.

Doch dann kam Corona. Zuerst nur in China. Dann in Italien. Ich war – ehrlich gesagt – lange der Meinung, daß alles maßlos übertrieben wurde. Und ich kann auch gar nicht mehr genau sagen, was der Auslöser für meinen Stimmungsumschwung war, allerdings wusste ich am 12.03. genau, daß es jetzt nun einmal so war, daß Menschen sterben, daß Krankenpfleger und Ärzte ihr Leben riskieren, daß Reisen zwar noch möglich waren, aber die Rückkehr nach Österreich nicht mehr so sicher und daß schon begonnen wurde, Grenzen dicht zu machen. Ich wusste zwar nicht (und weiß es eigentlich auch bis heute nicht so ganz), ob die Maßnahmen, die in der Folge getroffen wurden, verhältnismäßig waren. Doch: wer weiß das schon im vorhinein?! NACH einer Krise schlauer zu sein, ist immer einfach. Doch VOR oder IN der Krise richtig zu handeln, eine große Herausforderung.

So war das erste, was ich am Freitag dem 13. aus sportlicher Sicht machte, mein Trainingslager auf Mallorca, das eine Woche später stattgefunden hätte, zu stornieren. Langsam sickerte mir, daß heuer wohl vieles nicht so bleiben würde, wie ich es geplant hätte. Spannend war nur, daß interessanterweise die Enttäuschung gar nicht mal so groß war. Ich konnte mich relativ rasch mit der Situation abfinden, sie akzeptieren und auch die „schönen Seiten“ daran sehen. Für kurze Zeit setzte ich meinen getakteten Trainingsplan aus, der ja voll auf mein Ziel in ein paar Wochen in Aix-en-Provence ausgerichtet war, und trainierte nur noch nach Lust und Laune. Da die Schwimmbäder geschlossen waren, bestellte ich mir ein Zugseil und probierte verschiedene Varianten von Kräftigungsübungen als Alternativtraining aus. Ich nutzte die gemeinsame Zeit des Homeoffice mit Clemens, um mich bei meinen Pausen-Läufen auch mal von ihm am Mountainbike begleiten zu lassen. Und darüber hinaus gönnte ich mir sogar eine Woche Achtsamkeit mit dem Online-Seminar „Happy Mind, Happy You“, von dem ich euch in meinem vorigen Blogeintrag schon berichtet habe.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich mich nicht auch gleich auf die Suche nach neuen Zielen gemacht hätte. Und da war plötzlich etwas ganz Neues auf meinem Radar erschienen, was mich sofort faszinierte: Virtual Racing!

Ironman verkündete, ab 01.04. eine Serie zu starten, die man indoor oder outdoor, auf der Rolle oder in freier Natur, also ganz nach dem Motto „anywhere is possible“ durchführen konnte. Wie bei einem richtigen Rennen habe ich mich also gleich (kostenlos!) angemeldet und eine Startnummer erhalten, mit der ich mich für das 1. Virtual Race registrieren konnte. Die Aufgabe war, einen Duathlon mit 5 Kilometer laufen, 90 Kilometer radfahren und nochmal 21,1 Kilometer laufen zu absolvieren, und das ganze in einem Zeitfenster von 54 Stunden, ganz genau also von Freitag Abend um 20 Uhr bis Montag Morgen um 02:00 Uhr Früh.

Gesagt, getan. Ich beschloss, das Rennen eher als Challenge zu sehen und weniger als richtiges Rennen, und absolvierte den 5km-Lauf daher am Samstag Morgen gleich als Nüchternlauf. Nach dem Frühstück nutzte ich den super schönen Tag und drehte eine tolle 90km-Schleife mit fast 1000 Höhenmetern ins Seengebiet und durch das Innviertel. Und den Abschluss bildete dann ein Traum Halbmarathon am Sonntag Vormittag, den ich gemeinsam mit Clemens (am MTB!) als Umrundung unseres Heimatortes absolvierte (wieder mit ca. 200 Höhenmetern). Yes! Meine 1. Virtual Challenge war gemeistert!

Ich war super stolz und ganz gespannt, wo ich damit in der Rangliste meiner Altersklasse landen würde. Doch dann kam leider eine kleine Enttäuschung: der Großteil der Teilnehmerinnen dürfte zumindest das Radfahren indoor auf der Rolle (mit deutlichem Tuning und Windschattenfahren!?) absolviert haben, denn es gab massenweise Leistungen von unter 2:15 Stunden für 90km, was einem Schnitt von 40-43km/h gleich kommen würde und was ich als reelle Outdoor-Leistung mal schwer anzweifeln möchte. Aber da die Ausschreibung dies zulässt, war das eigentlich auch ganz logisch… Meine Platzierung lag damit übrigens gerade mal bei Rang 154 von 251. Aber ein virtuelles Badge hatte ich mir damit trotzdem verdient.

Schon viel spannender sah für mich da schon eine andere Challenge aus: The Conqueror Virtual Challenges! Über die Plattform My Virtual Mission wird die Möglichkeit geboten, verschiedenste Strecken virtuell zu absolvieren: von einem Marathon (The Inka Trail) bis hin zur Strecke von 3.669 Kilometern (Route 66) kann zwischen 10 verschieden langen Distanzen gewählt werden! Und das Beste daran: nach Absolvierung der Challenge bekommt jeder Finisher eine (echte!) Medaille nach Hause zugeschickt! Einziger kleiner Haken: die Conqueror Challenges sind nicht gratis, sondern kosten ca. Euro 30,– (inkl. Versand der Medaille).

Als erstes beschloss ich, eine „kleine“, also kürzere Challenge zu wählen, um das ganze einfach mal auszuprobieren. Ich meldete mich daher für den Inka-Trail an, bei dem insgesamt ein Marathon absolviert werden muss. Dann stellte ich eine Verbindung zwischen My Virtual Mission und meinem Strava-Account her, um die Aktivitäten zu synchronisieren und legte auch fest, daß ich nur Outdoor-Laufeinheiten gezählt haben wollte. (Es gibt nämlich auch viele Teilnehmer, vor allem auf den langen Strecken, die alle Aktivitäten, also auch walken, radfahren, indoor-radfahren,… hochladen!)

Jetzt musste ich also nur noch laufen, egal wie oft und egal wie lang! So legte ich mit einem knapp 14km-Lauf los und verdiente mir prompt den Trail-Blazer-Award für 30% Zielerreichung. Die My-Mission-App ist dabei ziemlich cool gemacht, sodaß man ständig sieht, wer sonst noch alles auf dem Trail unterwegs ist und wo jeder gerade steht. Man kann sich verbinden, kommentieren, die reinen Läufer heraus filtern, die Karte genauer studieren oder auch Ergebnisse auf Facebook & Co. teilen. Nach einem Ruhetag war ich daher hoch motiviert, gleich die nächsten 15km in Angriff zu nehmen und mich somit meinem Ziel immer weiter zu nähern. Jetzt fehlte nur noch die dritte und letzte Teilstrecke, und somit war der Inka-Trail auch schon wieder Geschichte. Aber das Beste daran: ich durfte mich nun für die Medaillen-Post anmelden!

Und tataaa: 15 Tage später war sie tatsächlich angekommen! Ein echt schweres und – wie ich finde – hochwertiges Ding, das mir tatsächlich deutlich mehr Freude bereitet, als das Ironman Virtual Badge und sogar die Kosten rechtfertigt!

Ihr könnt es wahrscheinlich schon erahnen: ich hab mich natürlich bereits zur nächsten Conqueror Challenge angemeldet: nämlich einem langen Trail quer durch England, von Lands End bis nach John O’Groats, 1743 Kilometer, und wieder nur laufend! Aber diesmal werde ich wohl etwas länger brauchen…! :-)))

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